CSSR 1969/70, Karel Zeman Nach dem Roman von Jules Verne Spielfilm, 77 Minuten, Farbe FSK ab 0, Altersempfehlung ab 6 Jahre Sinnierend betrachtet ein ehemaliger französischer Kolonialoffizier eine alte Postkarte, die eine schöne junge Frau zeigt: Die Frau seiner Träume. Dann erzählt er uns seine Geschichte: Einst war er in Nordafrika stationiert, wo er beim Landvermessen ins Meer stürzte und von der schönen Angelika vor dem Ertrinken gerettet wurde. Die war gerade einem spanischen Agenten entkommen, der sich als Waffen- und Mädchenhändler betätigt. Sein Abnehmer ist ein arabischer Fürst, der weniger die Befreiung seines Landes von den Franzosen und mehr die Ausweitung seiner persönlichen Macht zu erreichen sucht. Dabei soll ihm der Spanier helfen, der als Gesandter in die französische Garnison kommt, wo er ein Geschenk mit einer Bombe drin überbringt, deren Explosion zugleich das Zeichen für den Angriff des Fürsten darstellen soll. Doch eigentlich steht schon ein ganz anderes Zeichen am Himmel: Ein riesenhafter Komet erscheint und schleudert Blitz und Donner. Just im Moment der Explosion werden alle Beteiligten samt des Stückes Erde, auf dem sie sich befinden, vom Kometen mitgerissen und auf eine unfreiwillige Odyssee im Weltraum verschleppt. Zunächst geht dort alles seinen gewohnten Gang. Franzosen, Spanier und Araber kämpfen und intrigieren nach einer kurzen Phase der Verwirrung weiter, als sei nichts geschehen; schließlich gibt es für alles Heeresvorschriften. Doch bald schon droht erstes Unheil in Gestalt von Dinosauriern, die sich auch durch Waffen nicht vertreiben lassen. Allein das Geschepper eines Wagens voller Blechtöpfe jagt sie in die Flucht. Flugs werfen die Franzosen ihre Waffen weg und ersetzen sie durch Vorrichtungen, mittels deren man diesen Lärm erzeugen kann. Diese helfen jedoch nicht gegen die Araber, die sich die abgelegten Waffen aneignen. Unser Offizier verfolgt derweil seine zarte Liebe mit Angelika, wobei ihm deren Brüder in die Quere kommen, die die Verschleppte retten wollen. Da naht eine neue Katastrophe: Der Komet droht auf den Mars zu stürzen. Erst im Zuge des drohenden Weltuntergangs sind die kämpfenden Parteien bereit, das zu tun, was sie zuvor als unrealistische Utopie verlachten: In Frieden und Harmonie miteinander zu leben und ihr letztes Stündlein gemeinsam zu genießen. Doch als die Gefahr vorbei ist, beginnen Streit und Kampf von neuem und nehmen auch dann kein Ende, als alle wieder heil auf der Erde ankommen. Am Schluß wird der Offizier von seinem Untergebenem aus dem Wasser gerettet. War alles nur die Phantasterei eines Todgeweihten? Wer weiß. Besprechung von Lutz Gräfe "War der Stil von Zemans Jules-Verne-Adaption "Die Erfindung des Verderbens" (1958) geprägt von alten Stahlstichen, die schon die Romanausgaben illustrierten, so sind es hier Postkarten alten Stils, die das visuelle Konzept bestimmen. Bereits der Vorspann findet auf derartigen Ansichten statt und auch Bauten und Landschaft wirken über weite Strecken wie Postkartenidyllen. Dazu paßt auch die gelbstichige Colorierung, die dem Film den Look einer vergilbten Postkarte gibt. In diesem Film steigert Zeman seinen Stil der Mischung verschiedener Filmtricks mit Realfilm und eindrucksvollen Dokumentarsequenzen zur Perfektion. Seine Stop-Motion-Dinos können sich durchaus mit denen Ray Harryhausens messen und dienen ganz nebenbei der Ironisierung militaristischer Rituale: Denn wenn die Franzosen nach ihrem Erlebnis mit den Dinos Kanonen und Gewehre durch Blechtöpfe ersetzen, mit denen sie aber genauso salutieren müssen, wirkt das ungemein komisch. Zeman bleibt auch hier seiner konsequent antimilitarischen Haltung treu und illustriert in einer Sequez geradezu meisterhaft kurz und ohne Worte, was Kolonialismus bedeutet: Da reist ein französischer Offizier im Ballon über Nordafrika, wirft seine abgebrannte Zigarre weg, die auf einen Teppich vor ein Kind fällt. Dieses betrachtet zunächst neugierig das Entstehen des Brandes, um dann schreiend in die Wüste zu laufen. Kommentar überflüssig. Getragen von feiner Ironie wirkt diese Parabel über den Irrsinn des Kriegs auch heute noch höchst unterhaltsam und mancher Gag ist komischer als vieles, was das Mainstreamkino heutiger Tage zu bieten hat." Lutz Gräfe (Kinder- und Jugendfilmkorrespondenz 78/2-99)
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